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Non-Conformance Management in Life Sciences

Einleitung

Das Non-Conformance Management (NCM) umfasst die strukturierte Erfassung, Bewertung, Bearbeitung und Behebung von Abweichungen
von qualitätsrelevanten Vorgaben innerhalb regulierter Industrien wie Pharma, Biotechnologie und Medizintechnik. Es dient als
zentrales Qualitätsinstrument zur Sicherstellung von Produktintegrität, Patientensicherheit und regulatorischer Compliance.

Definitionen und Konzepte

  • Abweichung / Non-Conformance (NC): Eine Nichtübereinstimmung mit genehmigten Spezifikationen, Prozessen oder regulatorischen Anforderungen.
  • Ungeplante Abweichung: Eine unerwartete oder unbeabsichtigte Abweichung, die sofortige Aufmerksamkeit erfordert.
  • Rückverfolgbarkeit: Fähigkeit, den Ursprung, Verlauf und die Verantwortung einer Abweichung lückenlos zu dokumentieren.
  • CAPA (Corrective and Preventive Actions): Maßnahmen zur Behebung der Ursachen einer Abweichung und zur Vermeidung zukünftiger Auftreten.
  • Root Cause Analysis (RCA): Systematische Methode zur Ursachenfindung, z.B. über Fishbone-Diagramm oder 5-Why-Analyse.

Bedeutung

In regulierten Industrien wie der pharmazeutischen und biotechnologischen Produktion ist Non-Conformance Management essenziell.
Es schützt die Gesundheit der Patienten und gewährleistet die Einhaltung internationaler Regularien wie:

  • GMP-Richtlinien (Good Manufacturing Practice): EU-GMP Annex 11/15, FDA 21 CFR Part 210/211
  • ISO 13485: Qualitätsmanagementsysteme für Medizinprodukte

Ein effektives NCM-System trägt bei zu:

  • Früherkennung systematischer Mängel in Prozessen oder Materialien
  • Vermeidung von Chargenausfällen und Produktrückrufen
  • Verlässlicher Audit-Vorbereitung und geringerer regulatorischer Risiken
  • Förderung einer proaktiven Qualitätskultur („Quality by Design“)

Prinzipien und Methoden

  • Dokumentation und Meldeverfahren: Verwendung von standardisierten Formularen zur zeitnahen Meldung und Beschreibung von Abweichungen.
  • Kategorisierung: Klassifikation in kritische, schwerwiegende und geringfügige Abweichungen zur Risikoabschätzung.
  • Risikobasierter Ansatz: Priorisierung von Untersuchungen auf Basis des Risikos für Patient, Produkt oder Prozess.
  • Ursachenanalyse (RCA): Anwendung bewährter Methoden wie Ishikawa-Diagramm, 5-Whys oder FMEA.
  • CAPA-Prozesse: Entwicklung, Nachverfolgung und Bewertung von Korrekturmaßnahmen zur nachhaltigen Problemlösung.
  • Elektronisches Qualitätsmanagementsystem (eQMS): Digitalisierung zur Erhöhung der Transparenz und Effizienz in der Prozessverfolgung.

Anwendungsbereiche

Die Umsetzung eines strukturierten Non-Conformance Managements findet Anwendung in allen Phasen des Produktlebenszyklus und funktionsübergreifend in Unternehmen:

  • Herstellung: Behandlung von Abweichungen wie Maschinenstillstand, Fehlchargen oder Rohstoffabweichungen.
  • Labordaten: Untersuchung von OOS (Out of Specification) und OOT (Out of Trend) Ergebnissen.
  • Zulieferkette: Verfolgung und Bewertung nicht-konformer Lieferungen, inklusive Lieferantenaudits.
  • Validierung und Qualifizierung: Adressierung von Nichtkonformitäten während Anlagenqualifizierungen (IQ/OQ/PQ).
  • Klinische Studien: Management von Protokollabweichungen zur Sicherung der Datenintegrität.