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Nitrosamine Risk Assessment

Einleitung

Die Bewertung des Nitrosaminrisikos (Nitrosamine Risk Assessment) ist ein essenzieller Bestandteil der Arzneimittelentwicklung und -herstellung. Nitrosamine sind potenziell krebserzeugende Verunreinigungen, deren Nachweis und Kontrolle seit mehreren Rückrufen weltweit in den Fokus der Arzneimittelbehörden gerückt sind. Ein strukturiertes Risikobewertungsverfahren stellt sicher, dass pharmazeutische Produkte für den Patienten sicher sind und regulatorische Anforderungen erfüllt werden.

Definitionen und Konzepte

Nitrosamine: Eine Klasse chemischer Verbindungen, die vorwiegend durch die Reaktion von sekundären Aminen mit Nitrosierungsmitteln entsteht. Viele Nitrosamine gelten gemäß IARC als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen (Gruppe 2A).

Nitrosaminrisikobewertung: Ein systematischer Prozess zur Identifikation, Bewertung und Minderung potenzieller Nitrosaminverunreinigungen in Wirkstoffen (APIs), Hilfsstoffen und Arzneimitteln.

Akzeptable tägliche Aufnahme (Acceptable Intake, AI): Von Behörden wie EMA oder FDA festgelegte Grenzwerte, die die tägliche Aufnahme spezifischer Nitrosamine zur Minimierung eines Gesundheitsrisikos regeln.

Kontaminationsquellen: Können aus den Ausgangsstoffen, Reagenzien, Lösungsmitteln, Hilfsstoffen, dem Herstellprozess oder der Verpackung stammen.

Relevanz

Seit 2018 gab es zahlreiche Rückrufe von Medikamenten (wie Valsartan), verursacht durch Nitrosaminverunreinigungen. Daraus resultierten weitreichende regulatorische Maßnahmen, die pharmazeutische Unternehmen weltweit zur Einführung systematischer Risikobewertungen verpflichten. Die Relevanz ergibt sich aus:

  • Patientensicherheit: Minimierung krebserregender Verunreinigungen in oralen und parenteralen Arzneiformen.
  • Regulatorische Anforderungen: Weltweite Regularien wie ICH M7, EMA-Guidance, FDA-Guidance verlangen eine proaktive Risikobewertung und gegebenenfalls analytische Nachweise.
  • Reputations- und Marktfolgen: Produktrückrufe haben massive Auswirkungen auf den Ruf, Marktanteil und regulatorische Zulassungen.

Grundsätze und Methoden

1. Risikoidentifikation

Analyse aller Stufen des Herstellungsprozesses zur Feststellung möglicher Nitrosaminquellen:

  • Syntheseweg des Wirkstoffs inkl. Rückstände reaktiver Stoffe
  • Einsatz von sekundären oder tertiären Aminen
  • Verunreinigungen im Reagenz- oder Lösungsmittelgebrauch
  • Verunreinigungen aus primären Verpackungsmaterialien

2. Risikoanalyse und Bewertung

Qualitative und quantitative Bewertung bekannter und hypothetischer Nitrosaminrisiken auf Basis wissenschaftlicher Daten, Literaturrecherche und toxikologischer Schwellenwerte.

3. Analytische Strategien

  • Validierte Nachweismethoden wie LC-MS/MS, GC-MS, UPLC-MS
  • Nachweisgrenzen typischerweise im Bereich von ng/mL
  • Verwendung von Referenzstandards und internen Standards zur Quantifizierung

4. Risikominderung und Kontrolle

  • Änderung der Syntheseprozesse zur Vermeidung von Nitrosaminbildung
  • Substitution kritischer Ausgangsstoffe oder Reagenzien
  • Implementierung zusätzlicher Reinigungsschritte
  • Optimierung des Verpackungsmaterials zur Vermeidung nitrosationsfördernder Reaktionen während der Lagerung

5. Dokumentation und regulatorische Kommunikation

Transparente und nachvollziehbare Dokumentation der durchgeführten Bewertungen, Maßnahmen und analytischen Prüfungen zur Einreichung bei Behörden (z. B. über Drug Master Files, Änderungsanzeigen, Dossiers).

Anwendung

Nitrosaminrisikobewertungen finden über den gesamten Lebenszyklus pharmazeutischer Produkte hinweg Anwendung:

  • Vor der Zulassung: In frühem Stadium der Produktentwicklung zur Identifikation und Risikominimierung vor der klinischen Anwendung.
  • Nach Zulassung: In Form postzulassungsrelevanter Änderungen, insbesondere bei Umstellung der Herstellung, Änderung der Ausgangsstoffe oder Verpackung.
  • Qualitätsmanagement: Eingebettet in GMP-Prozesse, einschließlich Änderungsmanagement, Lieferantenqualifizierung und Ongoing Stability Evaluations.
  • Behördliche Kommunikation: Wichtiger Bestandteil von Einreichungsunterlagen (z. B. Modul 3 der CTD), sowie für Health Authority Requests nach EMA oder FDA Guidance.