Die verborgenen Risiken mangelhafter Risikoanalyse & schwacher Validierungsstrategie

1. Einführung — Die wahre Ursache, die niemand zugeben will
In einem aktuellen Beratungsprojekt mit einem südamerikanischen Pharmahersteller wurde Zamann Pharma Support hinzugezogen, um ein neues Purified Water (PW)-System zu validieren. Was wir vorfanden, war kein technischer Mangel — es war ein strategischer Fehler.
Das System verfügte über robuste Ausrüstung und einen qualifizierten Lieferanten — aber keine fundierte Risikoanalyse. Validierungsparameter wurden ohne klare Begründung übernommen. „Worst-Case-Bedingungen“ wurden nie wirklich hinterfragt. Das System wurde auf dem Papier validiert — aber nicht in der Realität.
Dies ist ein wiederkehrendes globales Problem: Unternehmen validieren Ausrüstung, nicht das Risiko. Das Ergebnis? Nacharbeiten, Abweichungen bei Inspektionen, Verzögerungen und Budgetüberschreitungen.
2. Das eigentliche Problem: Schwache Validierungsstrategie
Wenn die Risikoanalyse nur als „Pflichterfüllung“ durchgeführt wird, wird die Validierungsstrategie reaktiv, nicht präventiv. Im Kundenfall fanden wir Folgendes:
- Kritische Parameter ohne Begründung gewählt
- Keine Begründung für mikrobielle Grenzwerte oder TOC-Werte
- Keine Begründung für die Fließgeschwindigkeit (z.B. mindestens 1 m/s, um Biofilm zu verhindern)
- Keine Lifecycle-Strategie — nur Qualifizierungsdokumente
Dies führte zu einer umfassenden erneuten Bewertung des Systems — wodurch sich die Validierung um Monate verzögerte und die Kosten stiegen.
3. Schnelle Selbstdiagnose — Sind Sie gefährdet?
Geben Sie für jedes „Ja“ einen Punkt:
- Sind die Akzeptanzkriterien wissenschaftlich begründet?
- Sind Worst-Case-Szenarien getestet und dokumentiert?
- Ist die Risikoanalyse mit dem PQ-Protokoll abgestimmt?
- Ist die Begründung für die Fließgeschwindigkeit dokumentiert?
- Sind mikrobielle Parameter mit der Pharmakopöe verknüpft?
- Enthält der periodische Review (Ja/Nein) eine erneute Risikobewertung?
Ergebnis-Interpretation
- 0–2 → Akzeptabel, aber anfällig
- 3–4 → Hohes regulatorisches Risiko
- 5–6 → Validierung wird einer Inspektion wahrscheinlich nicht standhalten
4. Klare Compliance — Was die Behörden erwarten
Regulatorische Quelle Zentrale Erwartung
- EMA Anhang 15 Risikobasierter Validierungsansatz erforderlich
- ISPE Baseline Guide Dokumentierte Begründung für Design-Parameter
- FDA CSA Guidance Fokus auf Prozessrisiko, nicht auf Dokumentation
- ICH Q9 Risikoanalyse muss den Lifecycle-Ansatz unterstützen
Externe Referenzen:
- https://www.ema.europa.eu/
- https://ispe.org/
- https://www.fda.gov/regulatory
5. Was jetzt zu tun ist — Ihr Aktionsplan
- ✔ Definieren Sie eine risikobasierte Validierungsstrategie (RBVS)
- ✔ Erstellen Sie Nachvollziehbarkeit: URS → Risikoanalyse → Testplan → PQ
- ✔ Führen Sie Belastungstests unter Worst-Case-Bedingungen durch
- ✔ Dokumentieren Sie alle Begründungen — bevor die Gerätevalidierung beginnt
- ✔ Planen Sie risikobasierte regelmäßige Überprüfungen
6. Abschließender Leitungsgedanke
Validierung ist kein Dokument.
Sie ist ein Rahmenwerk für Entscheidungsfindung.
Wenn das Risiko unzureichend definiert ist, wird die Validierung zur Formsache — nicht zum Schutz.